Sonntag, 16. Januar 2011

Back on air

Wenn schon ganz Frankreich streikt, dann kann ich mir das auch mal rausnehmen, dachte er sich, und ließ den Blog geschlagene drei Monate brachliegen. Wie immer, wenn ich lange inaktiv war, gibts deshalb im Folgenden eine straffe, teils auch mäandernde Übersicht über alles, was so los war (und woran ich mich nach so langer Zeit noch erinnern kann).

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DSC00045Erster großer Programmpunkt dürfte die Portugalexkursion gewesen sein, zu der ich ausersehen wurde. Zur Erklärung nochmal: Quasi jeder Jugendaustausch der vielen, die Eurocircle organisiert, hat einen Vorbereitungsbesuch nötig, bei dem ein Vertreter jedes Landes an Ort und Stelle gegenwärtig ist, um sich die Unterkunft und das Terrain anzusehen, um alle nötige Absprachen zu machen (geht ja nicht über Internet...) und auch sonst eine schöne Zeit zu haben. Ein solcher war es, der mich Ende Oktober nach Lissabon fliegen ließ.



DSC00048 Während das Programm für solche visites préparatoires auf dem Papier meist sehr sehr dicht gedrängt zu sein scheint, zeigt die Realität ein anderes Gesicht. Der Trip nach Portugal wuchs sich aufgrund von weniger motivierten Gastgebern und der ausgesprochen attraktiven Stadt Lissabon zu einer Reise aus, bei der man - entgegen meiner anfänglichen Erwartungen - tatsächlich etwas vom Land zu sehen bekam. Und auch die Einführung in die portugiesische Esskultur war ein Hochgenuss: einmal bergeweise Fleisch und Fritten, dann ganze frittierte Fische. Und trotz sehr spannender Turbulenzen im Landeanflug auf Lissabon hat mich Marseille wohlbehalten wieder gesehen...nicht ohne das Foto eines Brunnens im Gepäck, mit dem fünf Interrailer beste Erinnerungen verbinden :D





Keinen Monat später stand schon die nächste Reise an: Das zweite FÖJ-Seminar war fällig, und zwar wirklich überfällig. Hatte man beim ersten Seminar nämlich noch kollektiv keine Ahnung, was denn dieses Jahr nun genau werden soll, und stand ganz am Anfang des Abenteuers, so konnte ich - und damit war ich sicher nicht der einzige - es fürs zweite Seminar kaum erwarten, sämtliche Geschichten und Eindrücke der anderen zu hören. Der ganze Spaß spielte sich im kleinen, aber sehr hübschen Städtchen St Jean d‘Angély ab, das nahe der französischen Atlantikküste in der Charente Maritime zwischen Bordeaux und Nantes liegt.

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Im Gegensatz zum ersten Seminar waren wir diesmal nicht in einer Jugendherberge untergebracht, sondern hatten eine zum europäischen Kulturzentrum umgebaute Abtei komplett für uns allein. Was bedeutete: wir genossen komplett freie Zimmereinteilung, die Küche stand uns zur freien Verfügung, um uns mit selbst gebackenem Brot, Gemüse und etlichen Variationen an Ziegen- und Schafskäse von Biobauernhöfen aus ganz Frankreich zu versorgen, und der Flügel, der sich in einem der geräumigen Seminarräume befand, durfte straflos bis um 4 Uhr früh mit Cajón- und Gitarrenbegleitung genutzt werden. Auch eine irisch angehauchte Bar war direkt vor der Haustüre, die wie für uns Ökos gemacht schien: Nicht nur bot sie eine reiche Tierwelt (Giraffe!! :D), es war auch aus einem unerfindlichen Grund an einem Abend der Boden komplett mit Stroh ausgelegt. Bienvenue!

DSC00183 Ein kurzer Abriss des Seminarprogramms: Wir brachten den Montag damit zu, uns gegenseitig unsere Einsatzstellen, Aufgaben und das bisher Erlebte zu schildern, bevor es im Verlauf der Woche daran ging, unsere Situation inklusive eventueller Startschwierigkeiten einzuschätzen, mit der Getreidefarm „Ferme de Chassagne“, der Käserei Mélanie Boursin und eines Vogelschutzpostens in Rochefort drei FÖJ-Einsatzstellen kennenzulernen und das Seminar am Donnerstag viel zu früh mit einem Ausflug ins nahegelegene Marais Poitevin und einem amtlichen Dîner in La Rochelle abzuschließen. Schön wars!

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IMG_7180Ansonsten, was gibts Neues? Die Wohnungsgenossen haben wieder einmal gewechselt: Im Zimmer des mittlerweile schon lange nach Irland abgedampften Paolo hat sich die auf dem Foto befindliche Sára von gegenüber (und aus Ungarn^^) eingenistet und so zugleich jegliche Hoffnung meinerseits zunichte gemacht, dass ich je ein Zimmer mit Hinterhoflage und ohne Straßenlärm bekommen würde. Mit ihr, Senad, Amelie und mir haben wir eine für meinen Geschmack sehr angenehme Wohngemeinschaft beisammen (die beste, seit ich hier bin), die vor kurzem noch durch Agustín aus Madrid ergänzt wurde. Mit anderen Worten: Passt! Auch die elf (!) Deutschen, die Anfang Januar für eine Dauer von drei Monaten aus Berlin angekommen sind, sind durch die Bank supernett und sehr auskömmlich - und von Anfang an mit am weggehfreudigsten ;)


Achja, und es war ja noch Weihnachten! Was heißt, dass ich nach mehr als vier Monaten Südfrankreich auf Heimaturlaub in Arbing und Umland vorbeischaute! Tatsächlich war ich nach meiner Ankunft im trauten Heim geradezu erschlagen von all dem Luxus, den ich früher einfach so hingenommen, mir in der Zwischenzeit allerdings weitgehend abgewöhnt hatte. Das reichte von „Kommt hier aber viel Wasser aus der Klospülung!“ über täglich Fleisch aus Mamas unglaublicher Küche bis hin zu einer erstens riesigen und zweitens guten Matratze.

Der von mir mit Spannung erwartete Kulturschock und veränderte Blick auf Altvertrautes ist allerdings weitestgehend ausgeblieben. Eingelebt habe ich mich sehr schnell wieder, und dann hat sich einfach alles genauso angefühlt wie immer, während ich das Gleiche tat wie immer: Die alten Freunde treffen und an alter Wirkungsstätte einen heben gehen, Skifahren oder einfach nur im Schnee (ja, Schnee!) spazieren gehen, im Kreise der Familie Weihnachten feiern, schafkopfen, Squash spielen, ausschlafen - die Liste ist lang und nicht erschöpfend...Besonders sei meinem Mitzivi, dem Winter Simon, gedankt, der mich fast eine ganze Woche lang an der Backe hatte, während der Rest noch untätig in der Uni hockte =) Wie der geneigte und auch der aufrechte Leser bei der Lektüre dieses Eintrags sicher schon vermutet hat, war ich im Weihnachtsurlaub einfach zu beschäftigt, um zu fotografieren. Deshalb die Textlastigkeit im letzten Abschnitt...


Wie mein guter Silvestervorsatz lautet? Na klar: Den Blog regelmäßig und mindestens monatlich aufzufrischen! Aber ihr wisst ja, wie das mit den guten Vorsätzen ist. Mit dem letzten Schnee sind sie in der Regel auch spätestens wieder dahingeschmolzen, und in Marseille sind die Temperaturen noch höher... In diesem Sinne, frohes Neues und auf bald, euer Tobi.

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